Sprachkompetenz

Es macht mich langsam meschugge, bekloppt, es regt mich auf. In allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen wird zum Beispiel das Wort „dass“ (das „ehemalige“ „daß“, vor der „Neuen Deutschen Rechtschreibung) „das“ geschrieben. Mit einem „s“! Offensichtich haben die Autoren von dieser sogenannten Rechtschreibreform die Auffassung, nun könne man schreiben wie man wolle! Bzw. ums Verrecken nicht kapiert, daß (dass) „Eszett“, das scharfe S, durch das Doppel-S ersetzt worden ist. Ich vermute ja, dass (daß) diese „Super-Spezialisten“ der deutschen Rechtschreibung auch vorher von Orthographie keine Ahnung hatten. Aber nun führen sie uns ihre Dummheit auch noch permanent vor Augen. Kein Blog, kein Forum, wo sich diese „das-statt-dass-Strategen“ nicht zuhauf tummeln! Muttersprache Deudsch? Man könnte es glauben. Interessanterweise sind diese Analphabeten meist auch noch (und gerade) diejenigen, die lautstark die „Überfremdung“ bejammern. Die so deutsch sind wie man deutscher nicht sein kann. Bloß von ihrer deutschen Sprache haben sie offensichtlich „null Ahnung“! Denn „dem Goethe seine Sprache“ hat auch Schillers Sprache ersetzt. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ach Gott, schreibt sich das nicht eigentlich „Göhde“ oder „Göhte“ oder so?

Jetzt bin ich schon richtig („ganz in echt“) verunsichert …

Was läuft da schief? Und warum läuft es so schief? Wieso kann jeder Franzose halbwegs dieses nicht unkomplizierte System der Accents beherrschen? Wieso kann jeder Brite zumindest halbwegs die auch nicht gerade unkomplizierten Regeln seiner Sprache Englisch (Worcestershire etwa, „Wussterscher“ ausgesprochen) beherrschen (derweil die „Anglisten“ unter den „neudeutschen“ Sprachschöpfern ganz schöne Probleme mit ihrem Denglisch haben; um nicht zu sagen: sie machen sich für „native speaker“, Muttersprachler also, geradezu lächerlich)?

Früher, war da irgendetwas besser mit unserem Bildungssystem? Liegt es an unserem gottverdammten Föderalismus, wo jedes Bundesland und Bundesländchen sein eigenes Süppchen kocht?

So einfach kann es nicht sein, denn der Freistaat Bayern, der dank der CSU viel Wert darauf legt, ziemlich eigenständig zu sein, der beweist mit seinen Ergbenissen in den PISA-Studien doch eigentlich das Gegenteil.

Warum also, verdammt nochmal, muß (muss) ich mich also dauernd ärgern über diese Idioten, die weder von Rechtschreibung, noch von Zeichensetzung, geschweige denn von Satzbau oder sonstwas irgend etwas wissen? Warum muß ich mich rumärgern mit pseudo-nationalen Schwachköpfen, die sich ausdrücken als kämen sie aus Dummhalla?

Please tell me why! Direz moi pourquoi!

Rechtschreibung und Berufschancen

Doch ich will nicht nur polemisieren. Es gibt auch harte Fakten, weshalb Sprachkompetenz ein absolut ernsthaftes Thema ist.

Mag die mangelnde Kompetenz in deutscher Sprache nun aber in Blogs und Foren noch nur peinlich sein, so wird sie andernorts vernichtend. Wenn es um den Beruf geht. Flapsige Formulieren, keine Beherrschung der Groß- und Kleinschreibung, Rechtschreibfehler en masse, so sehen auch Bewerbungsschreiben aus. Was Wunder, daß Arbeitgeber die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, gehe es um Arbeits- oder Ausbildungsplätze, die bei ihnen zu besetzen sind.

Die Sprache (und die Schrift) zu beherrschen wird in einer modernen Informationsgesellschaft immer wichtiger. Grammatik und Wortschatz, Hörverstehen und Leseverstehen, lesen und schreiben, das sind Elementartechniken auch des beruflichen Erfolges.

Jeder zweite Schulabgänger in Deutschland gilt als „nicht bildungsreif” steht in einem Entwurf des Berufsbildungsberichts der Bundesregierung. Ein vernichtendes Urteil. Auch für die Zukunft des vielbeschworenen „Standortes Deutschland“.

Sprachkompetenz bereits im Kindergarten vermitteln

Die Wichtigkeit der Sprache bereits im Vorschulalter fördern ist ein Projekt des Evangelischen Kindergartens der Apostelkirche in Neuburg an der Donau (Bayern).  Und dafür wurde dieser Kindergarten jüngst ausgezeichnet, von der Bayerischen Staatsregierung und vom Evangelischen Landesverband.

Eckpfeiler des Projektes sind, die Grundkenntnisse der Sprache zu vermitteln, Sprachstörungen zu beheben, den Wortschatz zu erweitern und die Eltern der Kinder miteinzubeziehen. Das Projekt kostet etwa 5000 Euro. 90 Prozent davon übernimmt die Staatsregierung, den Rest finanziert der Träger des Kindergartens, der Evangelische Landesverband.

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6 Antworten to “Sprachkompetenz”

  1. rothfranz Says:

    @ Michael Eriksson:

    Zu bemerken ist auch, dass recht viele Deutsche nicht eindeutig zwischen den Aussprachen von “das” und “dass” unterscheiden.

    Das ist durchaus ein Punkt, der richtig ist. Es wird auch mit der gesprochenen Sprache sehr nachlässig umgegangen.

    Sicher gilt das in vielen Ländern. Keine Frage.

    Je mehr man aber in verschiedenen Regionen unterwegs ist und Kontakte hat, umso mehr wird man sich auch um einen prononzierten Gebrauch der Hochsprache bemühen (müssen).

    Ich kann mich auch nicht mit einem plattdeutsch sprechenden Ostfriesen verständigen, wenn wir beide unsere Dialekte sprechen oder uns nicht um eine deutliche Aussprache bemühen. Gleiches gilt für die Kommunikation mit einem waschechten Niederbayern.

    Das Problem in Deutschland aber ist, daß die „Eingeborenen“ immer den für den Deppen halten, der ihre Dialekte nicht versteht und im Traum nicht daran denken, sich der Hochsprache zu bedienen.

    Sie zum Teil gar nicht richtig können.

    Wie greuslich, wenn ein ehemaliger Bundesinnenminister und jetziger Bundesfinanzminister mit seinem schwäbischen „sch“ anstatt „s“ daherkommt. Das „ischd“ (= ist) doch grausam! Ganz zu schweigen vom Ex-Ministerpräsidenten Oettinger (dessen hervorragenden Englischkenntnisse – einschließlich „perfekter Aussprache“ – ja nun auch zur Genüge für Heiterkeitserfolge gesorgt haben).

    Und wenn dann noch geworben wird mit „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“, dann ist das in meinen Augen nicht originell, sondern ein Armutszeugnis.

  2. michaeleriksson Says:

    Deutsch ist eigentlich meine Drittsprache, aber nur zwei, drei Jahre (mittlerweile dreizehn) nachdem ich hiergekommen bin, fing ich an, mich an Sprachfehler unter den Deutschen zu stören, insbesondere dieses ständige „ich mache nicht X, bevor du nicht Y gemacht hast“, oder Punkte wo Kommas stehen sollten. Dies ist zwar ein Stück ungerecht, da ich selbst immer noch Fehler mache, recht häufig sogar, zeigt aber deutlich wie niedrig der Standard ist.

    Ausgerechnet was „das“–„dass“ angeht gibt es eine einfache Erklärung: Die gesprochene Sprache hat einen deutlichen Einfluss an wie wir Schreiben, und Wörter die gleich oder fast gleich ausgesprochen werden, werden auch gerne intern verwechselt. Es ist (in vielen Fällen) nicht so, dass „dass“ falsch geschrieben wird, sonder es wird schlechthin das falsche Wort genommen.
    Wenn ich z.B. meine eigene englische Texte korrigiere, finde ich z.B. ständig Verwechslungen von „to“, „too“, und „two“—obwohl ich ganz genau weiss was wo gehört und wie es geschrieben wird.

    • rothfranz Says:

      Hallo, Michael Eriksson,

      „dass“ und „das“ werden aber, anders als „to“, „too“ und „two“ im Englischen, anders ausgesprochen, im „dass“ ist das „a“ kurz, das „s“ scharf, bei „das“ ist das „a“ lang und das „s“ weich.

      Insofern kann das keine Auswirkung der gesprochenen Sprache auf das geschriebene Wort sein. Es ist wirklich einfach Schludrigkeit.

      • michaeleriksson Says:

        Ich habe hier leider nur meine eigene Erfahrungen, wo im Grunde eine wissenschaftliche Studie notwendig wäre, ich meine aber, es reicht aus, wenn die Wörter ausreichend nahe an einander liegen. Zu bemerken ist auch, dass recht viele Deutsche nicht eindeutig zwischen den Aussprachen von „das“ und „dass“ unterscheiden.

        Ähnlich im Englischen: Viele machen in der Tat keine, oder nur eine kleine, Unterscheidung zwischen „to“ and „too“, jedoch werden Sie in vielen Dialekten (insbesondere die, die„British“ sind, an solche anschliessen, oder als etwas gehoben gelten) klar getrennt: Die Kombination „oo“ wird mehr wie ein deutsches „u“ ausgesprochen; „o“ ist mehr wie hier.

  3. Michael Anhaeuser Says:

    Also das das so ist, das die das das nicht richtig schreiben koennen, ja das haette ich jetzt auch nicht gedacht das man solche Fehler machen kann ***lol***

    • rothfranz Says:

      Man kann sie nicht nur machen, sie werden gemacht. Dauernd und vielerorts.

      Es setzt sich darin fort, daß es auch Menschen gibt, die kein vernünftiges Hochdeutsch können. Wohlgemerkt, auch ich habe einen Dialekt, nie und nimmer aber würde ich etwa im beruflichen Umgang Dialekt sprechen.

      Wie gut versteht z.B. ein Wintersportinteressierter aus Hannover oder Hamburg das, was so mancher „Ski-Star“ (ganz speziell, wenn aus Österreich stämmig) im Interview so von sich gibt?

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