Warum ich mit der Handkamera filme

Ein Bekenntnis zur Handkamera – An ihr scheiden sich die Geister wie an kaum etwas anderem im Bereich Film und Video. Lars von Trier hat sie zum Dogma erklärt und Jean Luc Godard hat mit ihr „À bout de souffle“ (Außer Atem) gedreht. Andere verteufeln sie als unprofessionell, bezeichnen so gedrehte Filme als Kopfschmerz-Kino oder Schwindelanfalls-TV. Es ist ein „Philosophen-Streit“ um ein filmisches Stilmittel und eine Ausdrucksmöglichkeit. Und um eine manchmal schlicht und ergreifend Notwendigkeit. Dann nämlich, wenn der Einsatz eines Statives nicht möglich, verboten oder sonstwas ist.

Die Handkamera, kaum etwas ist unter Videografen so heftig umstritten. Hier prallen geradezu zwei „Weltanschauungen“ aufeinander!

Lars von Trier setzte in seinen Dogma-Filmen die (verwackelte) Handkamera als elementares Stilmittel ein und erzeugte damit eine eigene, extrem authentische „Mittendrin“-Atmosphäre. Wären die Maßstäbe von Filmkritikern so festgefahren selbstherrlich wie bei einigen selbsternannten Profi-Videografen, dann hätte die Kritik darauf wahrscheinlich so reagiert: „Diese Filme sind so was von schlecht und unprofessionell! Die sind ja völlig verwackelt! War der zu doof, die Kamera stillzuhalten? Hat der denn kein Stativ?“ 

Arbeit mit der Handkamera

Und sogar Steven Spielberg wäre dann völlig unprofessionell. Denn auch „Saving Private James Ryan“ („Der Soldat James Ryan“) wurde mit der Handkamera gedreht.

Denn die Handkamera ist ein filmisches Stilmittel.

Maritime Impressionen aus Wilhelmshaven: das Marinemuseum, wo die Mölders als größtes schwimmendes Exponat Deutschlands für die Öffentlichkeit zugänglich an ihrem letzten Ankerplatz liegt. Von dort ein Blick in die untergehende Sonne hinter der Kaiser-Wilhelm-Brücke, von 1905 bis 1907 als größte Drehbrücke Europas erbaut. Und, last but not least, der Helgolandkai am Jadebusen. Den Abschluß bildet der Leuchtturm Arngast, dessen Name an ein während einer der großen Sturmfluten des Mittelalters untergegangenes Dorf erinnert. Wilhelmshaven ist seit den Zeiten des Kaiserreichs Deutschlands bedeutendster Marinestandort.

In der Fotografie käme kaum jemand auf die Idee, zu sagen: „Immer nur mit Stativ fotografieren!“ Hier ist die Handkamera so was von selbstverständlich. Oder kann sich jemand vorstellen, außer bei nächtlichen Langzeit-Belichtungen, immer und dauernd ein Stativ mit sich rumzuschleppen? Oder kann sich jemand den Bildjournalisten „on assignment“, bei einer Reportage, mit schwerem Stativ vorstellen?

Nun ja, es gibt auch welche, die mitgezogene und verwischte Fotos nicht als packend und dynamisch ansehen, sondern als Ausschuß betrachten. Zugegeben, auch hier stoßen die beiden „Weltanschauungen“ aufeinander.

Nebenbei bemerkt: Die Handkamera entspricht beim „Bewegtbild“ wesentlich mehr unserem natürlichen Sehverhalten als eine aufs Stativ montierte Kamera. Denn unsere Augen sind in ständiger Bewegung. Wir blicken nicht fixiert auf einen bestimmten Ausschnitt einer Szenerie. Das läßt die Physiologie gar nicht zu. Wir schauen im Bruchteil von Sekunden nach links, nach rechts, unsere Augen gleiten nach oben, nach unten. Wir sind bemüht, eine Szenerie umfänglich zu erfassen. Das von unserem Gehirn aufgezeichnete Bild ist also auch „verwackelt“.

Aus der Praxis …

Kann man sich einen Film wie den folgenden vorstellen, mit etwas anderem als der Handkamera gedreht zu sein?

Und darüberhinaus sind die beiden Sequenzen dieses Clips auch keinesfalls mit einer HD-Kamera aufgenommen, sondern mit einer Sony DCR-DVD150 (Filmanfang) und mit einer Nikon Coolpix P5000 (unter Nutzung der Video-Funktion dieser Point-and-Shoot-Kamera).

Auch der folgende Film entstand ausschließlich mit der kleinen Sony als Handkamera.

10. Dezember 2010 – Nürnberg nach dem Schneechaos der vergangenen Nacht und des heutigen Vormittags. Die Hauptverkehrsstraßen sind frei und geräumt, die meisten Straßenbahn-Linien verkehren wieder. In den Seitenstraßen allerdings liegt der Schnee noch immer 10 bis 15 Zentimeter hoch. Das Leben in der Stadt normalisiert sich. Ab und an aber ist immer noch der Notarzt im Einsatz, denn ganz unfallfrei geht es auch jetzt noch nicht ab.

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