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Der Weg ist nicht immer das Ziel …

29. Mai 2010

Berufsbild Garten-Paparazzo. Klingt interessant. Ist auch interessant. Jedenfalls, wenn man den Garten erst mal erreicht hat. Unser Garten liegt bekanntermaßen in der Pfalz. Wir aber wohnen in Nürnberg.

Foto oben: Franz Roth, „Auf einen Blick“, Bauer Verlag

Reflektionen über eine deutsche Verkehrsader …

Und dazwischen liegen (nahezu Woche für Woche) rund 350 Kilometer einfache Strecke. Und die Autobahn A6. Seit 1982 kenne ich diese Fernstraße. Und damals, vor fast dreißig Jahren, da war sie zwischen dem Kreuz Weinsberg bis in den Großraum Nürnberg geradezu beschaulich zu nennen. Das hat sich aber mittlerweile mehr als grundlegend geändert.

Unterwegs auf Deutschlands Autobahn mit dem höchsten LKW-Aufkommen

So grundlegend hat sich das geändert, daß wir diese Autobahn meiden wo immer es geht. Denn die Bundesautobahn A 6 ist die deutsche Autobahn mit dem höchsten Aufkommen an LKW. 195% (in Worten: hundertfünfundneunzig Prozent!) betrug die Zunahme seit Ende der Neunziger Jahre.

Es ist auf der in weiten Teilen nur zweispurigen Autobahn mehr als stressig und gefährlich. Unvermittelt und in des Wortes wahrster Bedeutung rücksichtslos zum „Jumbo-Rennen“ ausscherende Brummis einerseits, hemmungslos jagende und rasende PKW auf der Überholspur andererseits. Denn Deutschland ist das einzige Land der Welt („Freie Fahrt für freie Bürger!“), in dem Otto Normalverbraucher noch ungebremst und ungestraft mit Höchstgeschwindigkeit auf öffentlichen Straßen Autorennen fahren darf. Egal, ob’s stürmt oder schneit, ob es in Strömen regnet oder Nebel die Sicht trübt. Schwere und schwerste Unfälle – und nahezu immer und immer wieder unter Beteiligung von LKW – sind so geradezu vorprogrammiert.

 

Wohlgemerkt: wir fahren gerne Auto. Wer ein Cabrio fährt, ist bestimmt davor gefeit als Autofeind zu gelten.

Auf einem Rastplatz an der A6

Nur haben wir herzlich wenig Lust auf permanenten Adrenalinausstoß. Und wie soll der zu vermeiden sein, wenn man schon Kilometer vorher die Lücke suchen muß, sich zwischen den Lastern einzufädeln, reinzumogeln und reinzubremsen, um die Ausfahrt nicht zu verpassen? Und dann gar noch von dem wütenden Brummi-Lenker angehupt und angeblinkt zu werden, dem man damit gerade seinen ohnehin nicht vorhandenen Sicherheitsabstand zum Vordermann so brutalst verringert hat. Ihn vielleicht gar zum Bremsen gezwungen hat?

Und so hat es sich bei uns eingebürgert, jeweils auf Hin- und Rückfahrt nur ein Stück diese Autobahn zu benutzen und ansonsten über Land zu fahren. Von Nürnberg über Ansbach, Feuchtwangen, Crailsheim, Schwäbisch Hall, Öhringen und Heilbronn bis Sinsheim. Durch abwechslungsreiche Landschaften, vorbei an interessanten Städten und mit moderatem Verkehr. Meist jedenfalls.

Denn – und das läßt sich nicht umgehen – auf der letzten Etappe unserer Fahrten in die Pfalz kriegen wir es nochmals in geballter Form mit LKW zu tun. Auf der Bundesstraße 10 im Pfälzerwald. Gerne und en masse benutzt von Mautflüchtlingen. Und deswegen an Werktagen der gleiche Horror wie die BAB A 6.

Was läuft falsch in der Verkehrspolitik in Deutschland?

Es muß hier einfach was falsch laufen. Wie anders könnte es sein, daß wir geradezu ein sehnsuchtsvolles Verlangen verspüren nach französischen Autobahnen und Nationalstraßen? Daß man weniger Horror hat vor der Südumfahrung von Paris oder der Durchquerung von Lyon, der Umfahrung von Rennes, Strasbourg  oder Orleans denn vor der A6 oder der B10?

Es ist eigentlich ganz simpel: Wie in Frankreich müssen Autobahnen Geld kosten. Für jeden. Und wie in jedem anderen Land der Welt muß es auch auf deutschen Autobahnen endlich anstatt der Richtgeschwindigkeit (nach der sich kaum jemand richtet) ein generelles Tempolimit geben. Und es bedarf, so wie im Nachbarland die Gendarmerie Nationale allgegenwärtig präsent ist, auch hierzulande rigoroser Kontrollen. Seien es Geschwindigkeitskontrollen oder die Kontrolle der Ladungssicherheit. Und, wie in Frankreich, bedarf es deutlich empfindlicherer Bußgelder für Verkehrsvergehen. So daß niemand mehr denken kann, Rowdytum im Straßenverkehr sei ein Kavaliersdelikt.

Und die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung müssen auch mal den Mut (und Verstand) aufbringen, den Transitverkehr von Schwerlasttransportern von bestimmten Straßen und aus bestimmten Regionen zu verbannen. Und Verstöße ebenso rigoros zu kontrollieren und zu ahnden. Und sich nicht von dem ewig sofort zeternd losbrechenden Geschrei ins Bockshorn jagen lassen, hier ginge es um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und um Arbeitsplätze. Denn der Verkehrsinfarkt ruiniert Regionen, die Natur, den Tourismus, eine regionale Wirtschaft, er bringt den Regionen keinen Wohlstand. Im Gegenteil, er verursacht Kosten und schwere wirtschaftliche Schäden. Schon in den frühen Achtzigern (!) gab es zu den gefährlichen „rollenden Zeitbomben“ eine beeindruckende Reportage in GEO. Immer wieder z.B. im SWR sehen wir Sendungen über die gefährliche A 6. Die Zeit zum Handeln ist längst überfällig.

Mein persönliches Verkehrskonzept – eine Utopie?

Es mag wirklich utopisch klingen, doch es wäre nach meiner ganz bescheidenen Meinung ein Weg. Und keineswegs ein neuer Gedanke. Generationen von Politikern, nicht nur der Grünen, reden bereits davon. Aber sie reden nur davon. Weg mit den Transporten von Waren und Gütern von der Straße auf Schiene und Schiff. Verrückt, um nicht zu sagen pervers, wenn selbst die Deutsche Bahn verstärkt LKW einsetzt, weil sie auch Strecken für den Güterverkehr stillegt! Auch muß nicht Schlachtvieh durch halb Europa gekarrt werden. Oder Halbfertigprodukte von A nach B und als Fertigprodukte nach C und D zum „Packaging“ für den Versand nach E. Denn merke: Wirtschaft hat dem Wohl des Menschen zu dienen und ist nicht primär Selbstzweck zur „Profitmaximierung“.  Denn, vielleicht haben es einige Neo-Liberale ja schon vergessen, wir haben eine soziale Marktwirtschaft. Und die hat allen zu dienen. Und allen zu nutzen. Und dazu gehört auch, angstfrei eine Autobahn benutzen zu können.

Dann wäre auf einmal auch der Weg wieder das Ziel (auch auf der A6 und der B10).

Film und lange Brennweite, was tun gegen Verwackeln? Tipps für Filmer und Fotografen

13. August 2009
Fotograf und Motiv

Fotograf und Motiv

Naturfotografie verlangt nach einer gewissen Mindestausstattung beim Equipment. Das ist bekannt. Und nach einer gewissen Routine mit der Aufnahmetechnik. Selektive Schärfe mit langen Brennweiten, kurze Verschlußzeiten, Reaktionsschnelligkeit.Das muss immer wieder geübt werden.

Schwalbenschwanz auf Sommerflieder

Schwalbenschwanz auf Sommerflieder

Beim Filmen kommt ein großes Problem dazu: während der Fotograf mit dem langen Tele sich durchaus mit einer kurzen Verschlußzeit „ins Ziel zittern“ kann, überträgt sich beim Video (und natürlich umso mehr je länger die Objektivbrennweite ist) jede Unruhe auf den Film. Klar, es ist Bewegtbild. Kein Auslösen, wenn das Motiv passt. Der Film geht durch. Und das Verzittern und Verwackeln ist ein Hauptfehler, den der Filmneuling gerne begeht. 

Deshalb sollte grundsätzlich zum Filmen ein stabiles Stativ zum Einsatz kommen. So wie bei mir mein Gitzo-Reporter, das im Foto unten auf den Lowe Pro Phototrekker aufgeschnallt ist.

Stativ Gitzo-Reporter

Stativ Gitzo-Reporter

Will man beweglich sein, dann wird das Dreibein aber oft genug als lästig empfunden. Immer das ganze Stativ mit aufmontierter Kamera an einen anderen Standort platzieren, da gehen einem bei so flüchtigen Tieren wie Schmetterlingen auch zu gerne die Motive abhanden, bis man endlich wieder aufnahmebereit ist. Und denen mit der Kamera auf Dreibein zu folgen ist auch fast unmöglich.

Abhilfe schafft hier ein anderes Hilfsmittel: Das Schulterstativ.

Schulterstativ

Schulterstativ

Das ist kein absoluter Ersatz für das Tripod.Man muss aufpassen, dass sich nicht die eigene Atembewegung, das Heben und Senken des Brustkorbs, auf das Stativ überträgt. Das Risiko ist bei längeren Clips durchaus gegeben, wenn man etwa einem Vogel im Durchsichtsucher folgt. Da wird der Atem schwerer, das ist anstrengend. Also Atemtechnik üben. Wie ein Scharfschütze. Eher zwischendurch mal kurz die Auslösetaste drücken, den Film stoppen, durchatmen und dann weiterfilmen.

Weitere Möglichkeit, um Wackler zu kaschieren: Bewegen Sie sich selbst während der Aufnahme! Nicht versuchen, möglichst ruhig draufzuhalten, sondern in Bewegung bleiben. Ein paar Schritte nach links, nach rechts. Das ist insbesondere auch dann opportun, wenn sich das Motiv selbst auch bewegt. Und dasmacht den Film dynamisch. Bewegt. Das ergibt auch neue Blickwinkel.

Denn, man darf icht vergessen, selbst das, was man im eigenen Sucher als ganz toll und faszinierend ansieht, irgendwer sonst hat das sicher auch schon gefilmt.

Der nachfolgene Film entstand übrigens nur mit Schulterstativ. Mit einer Brennweite, die – bezogen auf das Kleinbildformat in der Fotografie – 2.000 mm beträgt. Und dafür ist das Ergebnis durchaus als „ruhig“ anzusehen.

Andere Blickwinkel auch in der Fotografie suchen und wagen

Auch als Fotograf muß man sich gewiß sein: es gibt nichts, was nicht schon fotografiert worden wäre.

Ich bringe da mal ein Beispiel anhand der Deichschafe, die wir allenthalben an der deutschen Nordseeküste finden. Den Tieren kommt im Deichschutz eine große Bedeutung zu, weil sie beim Grasen am Deichwall das Erdreich verfestigen und stabilisieren. Das Motiv selbst ist also – so banal es sonst auch sein mag – von journalistischer und dokumentarischer Relevanz.

Da sollten die Schafe zu sehen sein, der Deich und auch das, was der Deich schützt, nämlich das Hinterland.

Deich-Schafe in der Wesermarsch

Deich-Schafe in der Wesermarsch

Ich habe das mit dem Blick von oben versucht darzustellen. Nicht etwa mit dem Weitwinkel, um das Land zu zeigen, die Landschaft hinter’m Deich, sondern mit dem 300-er Tele. Verdichtend. Das Hinterland, das ist die angeschnittene Straße am Deichfuß. Und auch der Zaun gehörte dazu.Denn die Tiere laufen ja nicht einfach frei rum.

Der Naturfotograf hat ja auch immer wieder Themen im Angebot, die auch durchaus tagesaktuell sind. Auch bei denen sollte man versuchen, ein paar Varianten zu schießen, bei denen ein prägnanter Eye-Catcher dabei ist.

Ich denke das ist mir beim Riesenbärenklau mit dem Kohlweißling gelungen. Der Falter demonstriert, daß nicht alles, was für den Menschen gefährlich ist, auch in der Natur ein „Unkraut“ ist.

Finger weg vom Riesenbärenklau

Finger weg vom Riesenbärenklau

Wenn die Waldarbeiter mal die gefällten Baumstämme abtransportieren, dann müssen die sehr wohl mit Vorsicht zu Werke gehen.

Hintergrund-Info: Eigentlich ist er ja ganz hübsch und der Kohlweißling fühlt sich offensichtlich auf ihm wohl. Aber wir Menshen sollten die Finger on ihm lassen! Denn dem Riesenbärenklau begegnet man als homo sapiens besser im Schutzanzug! An diesem Holzlagerplatz bei Langmühle im Pfälzerwald musste ich mich mal in die Büsche schlagen. Ist er es oder ist er es nicht? Das war der Gedanke, der mir durch den Kopf ging. Er war es. Wer den Riesenbärenlau berührt, riskiert üble Hautschäden. Die Pflanze enthält giftige Furanocumarine. Besonders der Pflanzensaft. Der Giftstoff verursacht zusammen mit dem Sonnenlicht auf der Haut binnen 24 Stunden eine stark juckende schmerzhafte Hautreizung. Vergleichbar einer Verbrennung dritten Grades. Der Bärenklau hat sich mittlerweile auch in Parks und Gärten angesiedelt und dort muß man ihm als ungebetenem Gast zu Leibe rücken. Er stirbt ab, wenn man den Blütenstand abschneidet.  Allerdings funktioniert das nur zu Beginn der Fruchtreife Ende Juli. Vorher oder nachher muß die Pflanze mitsamt Wurzel ausgegraben werden. Wie gesagt: Schutzleidung tragen! En passant bemerkt: den Bärenklau gibt es bei uns schon seit dem 19. Jahrhundert. Ursprünglich wurde er nämlich als Zierpflanze eingeführt.