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Ostfriesische Impressionen – Meer und mehr

24. September 2009

Wer Ostfriesland kennt, der weiß, daß Ostfriesenwitze im Wesentlichen der Grundlage entbehren. Der Ostfriese ist keineswegs ein Dummbeutel. Eher ist er schlau. Manche mögen auch Bauernschläue dazu sagen. Und viele dieser Nordlichter und Küstenbewohner sind sogar noch nicht mal wortkarg. Die kriegen in der Tat mehr raus als ein „Moin!“. Also, die sind echt freundlich, die Ostfriesen. Wirklich. Gut, ich muß zugeben, ich habe mir eine Frau von der Küste „geangelt“ und da war ich als „Südeuropäer“ vielleicht doch etwas schneller „integriert“ als andere.

 

Ostfriesland und der Tee

In Ostfriesland Tee zu trinken, das ist etwas ganz Besonderes. Denn da gibt es ein paar Besonderheiten zu beachten. Die sollte man schon kennen, wenn man in Ostfriesland eine Teestube besucht. So wie diese rustikal in dunkel gehaltene in Neuharlingersiel mit ostfriesischer Keramik in typischem Muster in blau und weiß.

Es gibt auch die feine Art, mit feinem Geschirr, durch das man fast durchsehen kann, so edel ist das Porzellan.

Doch gleich, ob „rustikal“ oder „gediegen“, die Zeremonie mit dem Ostfriesentee ist immer die gleiche, ob der Tee nun von Bünting stammt, von Thiele oder Onno Behrends:  wird zuhause mit Gästen Tee getrunken, so gießt sich immer der oder die, welcher bzw. welche den Tee gekocht hat, zuerst ein. Das ist keine Unhöflichkeit, im Gegenteil, der „Verursacher“ probiert, ob der Tee auch wohlgeraten ist. In der Teestube übernimmt die Probierrolle im Regelfall die Frau, bei mehreren anwesenden Frauen die Älteste (weil die naürlich auch die größte Erfahrung mit Tee hat!). Erst dann sind die anderen Teetrinker dran.

Da wird aber nicht einfach eingegossen! Als erstes kommen die Kluntje in die Tasse, der spezielle weiße Kandiszucker. Die werden mit dem heißen Tee übergossen. Das knackt herrlich! Wer mag, der nimt dann mit dem Sahnelöffel Sahne. Die wird mit dem gewissen „Schisslaweng“ in elegantem Bogen in die Tasse gegeben, so daß sich im Tee kleine weiße Wölkchen bilden. Der „Schisslaweng“ ist eine echte Kunst. Und keineswegs wird umgerührt! Weder den Zucker, noch die Sahne. Der Zucker muß sich von ganz alleine auflösen. Die Sahne darf den Teegeschmack nicht überdecken.

 

Ostfriesische Hochzeitsbräuche

Interessant auch, wie in Ostfriesland eine Silberhochzeit gefeiert wird.

Da wird nicht nur einfach eingeladen und gefeiert, nein, da sind erstmal die Nachbarn und Freunde tatkräftig gefragt. Da werden Haus- und Garteneingang geschmückt, mit einem sogenannten Brautbogen (aus Tannenzweigen, Papier-Rosen, Girlanden usw.).

Und damit dabei niemand verdurstet, bzw. bei kaltem Wetter erfriert, wird üppig Schnaps getrunken (Krüden, Genever, Aufgesetzter).

Dazu gehen die „Mädels“ mit den Pullen rum. Bei dieser Silberhochzeit soll glaubhaften Gerüchten zufolge der Fotograf (meine Wenigkeit), der ja außer knipsen sonst nix zu tun hatte, ganz schön reichlich von allem zugelangt haben. Ach übrigens, das links im Bild, das ist sie, meine Frau vom Deich …

Ostfriesentee

9. März 2009
Teestube in Neuharlingersiel

Teestube in Neuharlingersiel

 In Ostfriesland ist Teetrinken eine Zeremonie. So wie auch in Japan oder China. Der echte Ostfriesentee – vorzugsweise Bünting aus Leer – wird mit weißem Kandis (Kluntje) und Sahne genossen. Er ist eine spezielle Teemischung, die aus bis zu 10 verschiedenen Schwarzteesorten bestehen kann.

So beschreibt es ein ostfriesischer Insider:

Ostfriesentee ist nicht nur einfach ein Tee. Nein, echter Ostfriesentee ist ein Lebenselixier der Ostfriesen. Das besondere am Ostfriesentee ist die Mischung, das bedeutet die Zusammensetzung und Komposition aus verschiedenen Teesorten, die vor allem aus den berühmten Teeplantagen Indiens (Assam und Darjeeling) und Ceylons kommen.

Bei der Zubereitung des Tees hat wohl jeder Ostfriese sein Spezialrezept. Oftmals wird empfohlen pro gewünschte Tasse einen Teelöffel Teeblätter in eine vorgewärmte Porzellankanne zu geben und eventuell auch noch zuletzt einen Extralöffel hinzuzugeben. Wir denken eine guten Tee erhalten sie auch bei 6 gehäuften Teelöffeln pro 0,75 l – Kanne. Dann wird frisches sprundelnd-heißes Wasser aufgegossen, so daß die Teeblätter gerade bedeckt sind. Dann wird der Tee (am besten auf einem Stövchen) 3 bis 5 Minuten ziehen gelassen. Dabei wirkt der Tee nach 3 Minuten belebend und nach 5 Minuten eher beruhigend. Anschließend wird entsprechend Wasser aufgegossen. Dann schenken Sie den Tee durch ein Sieb in eine vorgewärmte zweite Kanne (Vorwärmen = Kanne mit heißem Wasser ausspülen, wodurch das Porzellan erwärmt wird). Dabei bleiben im Sieb die Teeblätter zurück und der Goldbraune Tee fließt in die Servierkanne, damit er nicht weiter zieht und immer stärker wird. Der Ostfriesentee ist fertig. Am besten schmeckt der Tee selbstverständlich mit echtem ostfriesischem Leitungswasser!

Es ist keine Unhöflichkeit, wenn  zuhause die Hausfrau, die den Tee zubereitet hat, sich die erste Tasse eingießt: sie probiert, ob er wohl geraten ist.

Apropos eingießen: als erstes kommen die Kluntje in die Tasse, der Zucker, der weiße Kandis, dann wird der Tee darübergegossen. Durch das Teesieb. Herrlich, wenn die Kluntje dann knacken! Das ist schon das erste Tee-Erlebnis. Dann wird – mit einem „Schisslaweng“ mit dem Sahnelöfel die Sahne zugegeben, daß sie weiße Wölkchen bildet. Bloß nicht umrühren! Das wäre eine Todsünde!

Teestube in Neuharlingersiel

Teestube in Neuharlingersiel

 

In Ostfriesland gibt es drei große Teehandelshäuser (Bünting, Thiele & Freese, Onno Behrends), die jeweils mehrere eigene Teemischungen anbieten. Ihnen allen ist aber der typisch herbe und kräftige Geschmack des Ostfriesentees gemein.

Nur in Ostfriesland gemischter Tee darf sich Echter Ostfriesentee nennen, die übrigen tragen die Bezeichnung „ostfriesische Mischung„.

Hier eine Bezugsadresse für alle, die ihn auch daheim trinken möchten und nicht nur an der Nordsee.

In unserer gemütlichen Runde im Nordseebad Neuharlingersiel sehen wir zum Tee die Zigaretten auf dem Tisch.

Zugegeben, man kann ihn auch trinken ohne zu rauchen.

Aber klassischerweise pafft und qualmt der Seebär und Küstenbewohner. Daran können auch Frau Bätzing und Frau Pötschke-Langer wenig ändern. Punkt!