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Warum ich mit der Handkamera filme

11. November 2011

Ein Bekenntnis zur Handkamera – An ihr scheiden sich die Geister wie an kaum etwas anderem im Bereich Film und Video. Lars von Trier hat sie zum Dogma erklärt und Jean Luc Godard hat mit ihr „À bout de souffle“ (Außer Atem) gedreht. Andere verteufeln sie als unprofessionell, bezeichnen so gedrehte Filme als Kopfschmerz-Kino oder Schwindelanfalls-TV. Es ist ein „Philosophen-Streit“ um ein filmisches Stilmittel und eine Ausdrucksmöglichkeit. Und um eine manchmal schlicht und ergreifend Notwendigkeit. Dann nämlich, wenn der Einsatz eines Statives nicht möglich, verboten oder sonstwas ist.

Die Handkamera, kaum etwas ist unter Videografen so heftig umstritten. Hier prallen geradezu zwei „Weltanschauungen“ aufeinander!

Lars von Trier setzte in seinen Dogma-Filmen die (verwackelte) Handkamera als elementares Stilmittel ein und erzeugte damit eine eigene, extrem authentische „Mittendrin“-Atmosphäre. Wären die Maßstäbe von Filmkritikern so festgefahren selbstherrlich wie bei einigen selbsternannten Profi-Videografen, dann hätte die Kritik darauf wahrscheinlich so reagiert: „Diese Filme sind so was von schlecht und unprofessionell! Die sind ja völlig verwackelt! War der zu doof, die Kamera stillzuhalten? Hat der denn kein Stativ?“ 

Arbeit mit der Handkamera

Und sogar Steven Spielberg wäre dann völlig unprofessionell. Denn auch „Saving Private James Ryan“ („Der Soldat James Ryan“) wurde mit der Handkamera gedreht.

Denn die Handkamera ist ein filmisches Stilmittel.

Maritime Impressionen aus Wilhelmshaven: das Marinemuseum, wo die Mölders als größtes schwimmendes Exponat Deutschlands für die Öffentlichkeit zugänglich an ihrem letzten Ankerplatz liegt. Von dort ein Blick in die untergehende Sonne hinter der Kaiser-Wilhelm-Brücke, von 1905 bis 1907 als größte Drehbrücke Europas erbaut. Und, last but not least, der Helgolandkai am Jadebusen. Den Abschluß bildet der Leuchtturm Arngast, dessen Name an ein während einer der großen Sturmfluten des Mittelalters untergegangenes Dorf erinnert. Wilhelmshaven ist seit den Zeiten des Kaiserreichs Deutschlands bedeutendster Marinestandort.

In der Fotografie käme kaum jemand auf die Idee, zu sagen: „Immer nur mit Stativ fotografieren!“ Hier ist die Handkamera so was von selbstverständlich. Oder kann sich jemand vorstellen, außer bei nächtlichen Langzeit-Belichtungen, immer und dauernd ein Stativ mit sich rumzuschleppen? Oder kann sich jemand den Bildjournalisten „on assignment“, bei einer Reportage, mit schwerem Stativ vorstellen?

Nun ja, es gibt auch welche, die mitgezogene und verwischte Fotos nicht als packend und dynamisch ansehen, sondern als Ausschuß betrachten. Zugegeben, auch hier stoßen die beiden „Weltanschauungen“ aufeinander.

Nebenbei bemerkt: Die Handkamera entspricht beim „Bewegtbild“ wesentlich mehr unserem natürlichen Sehverhalten als eine aufs Stativ montierte Kamera. Denn unsere Augen sind in ständiger Bewegung. Wir blicken nicht fixiert auf einen bestimmten Ausschnitt einer Szenerie. Das läßt die Physiologie gar nicht zu. Wir schauen im Bruchteil von Sekunden nach links, nach rechts, unsere Augen gleiten nach oben, nach unten. Wir sind bemüht, eine Szenerie umfänglich zu erfassen. Das von unserem Gehirn aufgezeichnete Bild ist also auch „verwackelt“.

Aus der Praxis …

Kann man sich einen Film wie den folgenden vorstellen, mit etwas anderem als der Handkamera gedreht zu sein?

Und darüberhinaus sind die beiden Sequenzen dieses Clips auch keinesfalls mit einer HD-Kamera aufgenommen, sondern mit einer Sony DCR-DVD150 (Filmanfang) und mit einer Nikon Coolpix P5000 (unter Nutzung der Video-Funktion dieser Point-and-Shoot-Kamera).

Auch der folgende Film entstand ausschließlich mit der kleinen Sony als Handkamera.

10. Dezember 2010 – Nürnberg nach dem Schneechaos der vergangenen Nacht und des heutigen Vormittags. Die Hauptverkehrsstraßen sind frei und geräumt, die meisten Straßenbahn-Linien verkehren wieder. In den Seitenstraßen allerdings liegt der Schnee noch immer 10 bis 15 Zentimeter hoch. Das Leben in der Stadt normalisiert sich. Ab und an aber ist immer noch der Notarzt im Einsatz, denn ganz unfallfrei geht es auch jetzt noch nicht ab.

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Well equipped? Wahrscheinlich, vielleicht, aber, oder nicht, oder wohl oder doch …

31. Januar 2011

Equipment Photo & Video

Was Sie oben im Bild sehen, das ist (der Großteil) meine(r) im Laufe der Jahre gewachsene(n) Ausrüstung für Foto und Film. Ausgewählt nach meinen Bedürfnissen, nach den Themen und Motiven, die ich im Fokus habe. Das ist eine „Menge Holz“. Und war insgesamt nicht preiswert. Obwohl ich generell auf „low budget“ achte. Auch deswegen gibt es neben digitalem auch noch analoges Aufnahmegerät wie die Nikon F4. Noch gibt es Dia- und Negativ-Filme zu kaufen. Noch gibt es Foto-Labore. Und die Zeit, die eine C41-Entwicklung oder E-6 braucht, die habe ich im Regelfall.

Das erste, was ich mir in der digitalen Welt zugelegt hatte (nach einem Notebook), war demzufolge auch zunächst ein Flachbett-Scanner und kurz danach ein Film-Scanner gewesen. Und die werden auch heute noch benutzt.

Ich bin zurückhaltend, was Investitionen betrifft. Zwar muß man natürlich immer wieder mal investieren. Aber unter dem Vorbehalt der Notwendigkeiten und unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten. Nicht allein deswegen, weil es – wieder mal – etwas „Neues“ und „viel Besseres“ am Markt gibt. Ich kenne nicht „das Kind im Manne“, das dauernd ein neues „Spielzeug“ braucht. Und ich mache beim „Equipment-Schwanzmessen“ nicht mit. Understatement ist da eher angesagt. Mehr sein als scheinen. Man kann auch mit „veraltetem“ Gerät gute Fotos und Filme machen. Die Technik ist Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck.

Man sieht da bei mir im Bereich der Foto-Optiken ein 400-er Novoflex und ein 2,8/300 mm von Tamron mit manueller Fokussierung. Man sieht überhaupt mit Ausnahme des 2,8/80-200 mm nur MF-Objektive. Im eigentlichen Sinne ist das nicht „state of the art“.

Aber es ist „low budget“.

So waren schon in den Zeiten der analogen Fotografie meine Geräte im Regelfall Vorführgeräte, die ich dann recht günstig erwerben konnte. Und auch in der digitalen Welt war meine D-SLR von Nikon ein Vorführgerät (zum unter halben Neupreis). Und auch die Video-Kamera Canon XM1 ist ein Vorführgerät. Zu einem Drittel des Neupreises.

Wie gesagt, ich lege Wert auf „low budget“.

Die einzige Neuerwerbung der jüngeren Zeit ist die Schulterkamera Sony HVR-HD1000E gewesen. Die gilt zwar in den Augen „gestandener“ Profis als Amateur-Kamera (was soll ich mir darunter eigentlich vorstellen?), aber sie ist eben auch „low budget“.

So, nun habe ich dieses Wort genug strapaziert. Aber man mag daran erkennen, daß es mir beim Erwerb von Gerätschaften keinen Deut anders geht als den meisten von uns. Man muß eben aufs Geld achten. Ja, wenn ich einmal reich wär …

Aber wenn ich reich wäre, dann wäre es vielleicht doch nicht anders. Denn wie heißt es doch: „Von reichen Leuten kann man das Sparen lernen.“

„Amateur-Kamera“, diesem meist „diskrimierend“ abschätzig gedachten Wort möchte ich aber auch noch ein paar Anmerkungen widmen.

Denn als provokanter Advocatus Diaboli sage ich es mal so: wenn jemand, der nicht mit der Fotografie seinen Lebensunterhalt bestreitet (bestreiten muß) mit einer Nikon D3X oder einer Canon EOS 1 D Mark wasweißich fotografiert (weil er das Geld dafür hat – sic!), dann sind diese Maschinen ganz klar Amateur-Kameras. Und wenn jemand, der damit sein Geld verdient, eine Coolpix benutzt, dann ist das eine Profi-Kamera. Denn auch nicht jeder, der eine Bohrmaschine von Hilti sein eigen nennt, ist ein Sanitär-Installateur. Und weil einer eine No-Name verwendet, deswegen ist er noch lange kein Hobby-Klempner.

Nein, ich bin nicht „unmodern“ und „unzeitgemäß“. Was meine Vertriebswege und meine Promotion angeht, da bin ich absolut zeitgemäß. Ich distributiere selbstverständlich digital. Was auch sonst. Für mich ist der IPTC-Header kein lästiges Übel, sondern – vernünftig befüllt – der Erfolgsgarant in der milliardenfachen digitalen Bilderflut. Das ist genauso essentiell wie die Präsenz auf geeigneten Portalen und Plattformen. Daß ich dabei jedem, der es sich von der Umsatzsituation her halbwegs leisten kann (und ich meine damit durchaus auch den nebenberuflichen Amateur), Mecom-Multimedia wärmstens ans Herz lege, das ist obligatorisch. Denn damit erreiche ich wirklich und unbestritten eine enorm hohe Zahl potentieller Verwender. Und muß mich nicht unbedingt selbst um die Akquise von Neukunden kümmern. Denn das erledigt Mecom (auch) für mich.

Und für den Anfang tut es ja vielleicht auch ein Portal für Citizen Journalists. Das ist durchaus kein „Humbug“, sondern mittlerweile ein auch durchaus für Professionelle interessanter Vertriebsweg für Fotos, Texte und Videos. Und – im Gegensatz etwa zu Microstock-Agenturen – blüht dort nicht der Wahn der Megapixel. Selbst einige der „Big Player“ unter den Bildagenturen haben in jüngerer Zeit (ganz gegen den Trend?) im Bereich News und Editorial ihre Anforderungen an die Auflösung nach unten korrigiert. Warum wohl? Drei- oder vierspaltig in der Zeitung oder als 1/4-Seite in der Zeitschrift, dafür brauche ich keine 12 Megapixel! Noch nicht mal sechs. Und für Web-Verwendungen gleich gar nicht.

Und damit schließt sich der Bogen: Well equipped? Well, ja, und zwar noch lange. Wahrscheinlich. Oder nicht, oder wohl oder doch.

Well equipped ...

Beachten Sie bitte auch meine Artikelsammlung „Notizen aus dem Reporter-Alltag“.

Sony HVR-HD1000E Review

25. Januar 2011

Kurz vorm Jahreswechsel habe ich mir auf der Suche nach einer erschwinglichen Schulterkamera die Sony HVR-HD1000E gekauft. Die zur Zeit wohl preisgünstigste Schulterkamera zu einem Preis weit unter zweitausend Euro.

In vielen einschlägigen Foren wird sie von vielen als billige Amateur-Cam in einem großen Plastikgehäuse verschrieen. Nur recht wenige, auch professionelle Produzenten, in Deutschland lassen ein gutes Haar an der Kamera. Weder Fisch noch Fleisch sei sie. Und tun ihr damit Unrecht. Zu unrecht. Denn natürlich ist diese Kamera zu diesem Preis kein „voll-professionelles“ Gerät, aber sie ist auf jeden Fall semi-professionell. Und wer nicht fünf-, sechstausend oder noch mehr Euro ausgeben will (oder kann) hat mit ihr bestimmt eben keine schlechte Wahl getroffen. Und was, bitteschön, will man sagen mit „weder Fisch noch Fleisch“?

Sony HVR-HD1000E

Interessanterweise auch bekommt die Kamera im anglophonen Raum, dort, wo weder beim Werkzeug noch in der Tätigkeit so wie bei uns zwischen „Amateur“ und „Profi“ differenziert wird, rundweg gute Kritiken. Ihre Einsatzmöglichkeiten werden dort aufgezeigt, wozu sie taugt und wozu nicht. Punkt. Natürlich ist das keine Broadcasting-Cam. Ihr ursprüngliches „Zielgebiet“ waren die USA gewesen und Zielgruppe dort die Hochzeitsfilmer.

Im folgenden Film ein kurzes Feature über die Kamera und ihre Funktionen. Und zum Schluß ein paar mit ihr aufgenommene Sequenzen (Hinweis: der Film ist in HDV1 720p (1280×720) gerendert, aus Gründen, die Dateigröße zu reduzieren und die Ladezeiten auf YouTube, gleichwohl ist die überzeugende Schärfe der Optik auch in diesem kleinen HD-Format bereits gut erkennbar).

Maria Hilf in Freystadt war mein erster komplett mit der neuen Kamera gedrehter Film. Der „field test“ sozusagen.

Die Sony hat sich dabei für mich sehr gut bewährt. In meiner bevorzugten Art, mobil ohne Stativ mit der Handkamera zu arbeiten („Camera in motion“) ist sie gut geeignet.

Ermüdungsfreies Arbeiten

Sie liegt gut ausbalanciert auf der Schulter, alle Bedienelemente sind leicht und intuitiv erreichbar. Und auch am Handgriff, als „Henkelmann“, ist sie gut zu handhaben. Das liegt auch an ihrem Gewicht, was das Gerät stabil macht. Und auch daran, daß sowohl der Durchsichtsucher als auch das große und klare LCD-Display eine gute Bildkontrolle ermöglichen. Durch die gute Balance sowohl von der Schulter als auch am Handgriff ist mit dieser Cam ein ermüdungsfreies Arbeiten möglich. Auch bei längeren Sequenzen hält der Arm durch.

Die Vorteile einer Band-Kamera

Als Aufnahmemedium benutzt die HVR-HD1000E MiniDV-Bänder. Für mich ein unbestreitbares Plus. Nicht nur, weil ich dadurch das gleiche Medium wie bei meiner „kleinen“ Canon XM1 benutzen kann (s. Bild).

"Größenverhältnisse" ...

In meinen Augen haben die MiniDV-Kassetten für die (Langzeit-) Archivierung der Takes und von Footage eindeutige Vorteile gegenüber der DVD und der Speicherkarte. Das mag Geschmackssache sein, aber wie in so vielen Bereichen ist dies eben eine Frage persönlicher Präferenz. Ich archiviere die Bänder, ich nutze sie nicht mehrfach durch Überschreiben. Sie sind platzsparender als die DVD. Optimiertes Storage, durchaus ein Kriterium. Und eine SD-Karte oder Compact Flash Karte werde ich kaum archivieren, sondern immer wieder formatieren und nutzen. Ich muß also alles auf (externe) Festplatte sichern, was ich archivieren will. Auch das, was ich aktuell gar nicht verarbeite, die Takes „auf Vorrat“. Das ist dann ein zusätzlicher Arbeitsaufwand, den ich gerne vermeide. Denn den habe ich ja im Foto-Sektor schon zur Genüge.

VHS-Bänder, auf die ich direkt aus der Kamera überspielen kann (wahlweise natürlich auch auf DVD) sind für mich ein zusätzliches Medium für die Archivierung (und Weiterverarbeitung) meiner Aufnahmen. Wie gesagt: eine Frage persönlicher Präferenz.

Resumée:

Speziell auch für den Hobby-Videografen, der auf der Suche ist nach einem erschwinglichen Schultergerät ist die Sony HVR-HD1000E gewiß eine gute Wahl. Für „professionelle“ Geräte kann man gut und gerne das dreifache bis zehnfache des Geldes hinblättern, das diese Kamera kostet. Kann man deswegen aber auch „bessere“ Aufnahmen machen?

Ich denke, das kann man nicht, wenn man nicht gerade immer Nachtaufnahmen oder sowas machen will. Und wer macht das schon?

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