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Sprachkompetenz

18. März 2010

Es macht mich langsam meschugge, bekloppt, es regt mich auf. In allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen wird zum Beispiel das Wort „dass“ (das „ehemalige“ „daß“, vor der „Neuen Deutschen Rechtschreibung) „das“ geschrieben. Mit einem „s“! Offensichtich haben die Autoren von dieser sogenannten Rechtschreibreform die Auffassung, nun könne man schreiben wie man wolle! Bzw. ums Verrecken nicht kapiert, daß (dass) „Eszett“, das scharfe S, durch das Doppel-S ersetzt worden ist. Ich vermute ja, dass (daß) diese „Super-Spezialisten“ der deutschen Rechtschreibung auch vorher von Orthographie keine Ahnung hatten. Aber nun führen sie uns ihre Dummheit auch noch permanent vor Augen. Kein Blog, kein Forum, wo sich diese „das-statt-dass-Strategen“ nicht zuhauf tummeln! Muttersprache Deudsch? Man könnte es glauben. Interessanterweise sind diese Analphabeten meist auch noch (und gerade) diejenigen, die lautstark die „Überfremdung“ bejammern. Die so deutsch sind wie man deutscher nicht sein kann. Bloß von ihrer deutschen Sprache haben sie offensichtlich „null Ahnung“! Denn „dem Goethe seine Sprache“ hat auch Schillers Sprache ersetzt. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ach Gott, schreibt sich das nicht eigentlich „Göhde“ oder „Göhte“ oder so?

Jetzt bin ich schon richtig („ganz in echt“) verunsichert …

Was läuft da schief? Und warum läuft es so schief? Wieso kann jeder Franzose halbwegs dieses nicht unkomplizierte System der Accents beherrschen? Wieso kann jeder Brite zumindest halbwegs die auch nicht gerade unkomplizierten Regeln seiner Sprache Englisch (Worcestershire etwa, „Wussterscher“ ausgesprochen) beherrschen (derweil die „Anglisten“ unter den „neudeutschen“ Sprachschöpfern ganz schöne Probleme mit ihrem Denglisch haben; um nicht zu sagen: sie machen sich für „native speaker“, Muttersprachler also, geradezu lächerlich)?

Früher, war da irgendetwas besser mit unserem Bildungssystem? Liegt es an unserem gottverdammten Föderalismus, wo jedes Bundesland und Bundesländchen sein eigenes Süppchen kocht?

So einfach kann es nicht sein, denn der Freistaat Bayern, der dank der CSU viel Wert darauf legt, ziemlich eigenständig zu sein, der beweist mit seinen Ergbenissen in den PISA-Studien doch eigentlich das Gegenteil.

Warum also, verdammt nochmal, muß (muss) ich mich also dauernd ärgern über diese Idioten, die weder von Rechtschreibung, noch von Zeichensetzung, geschweige denn von Satzbau oder sonstwas irgend etwas wissen? Warum muß ich mich rumärgern mit pseudo-nationalen Schwachköpfen, die sich ausdrücken als kämen sie aus Dummhalla?

Please tell me why! Direz moi pourquoi!

Rechtschreibung und Berufschancen

Doch ich will nicht nur polemisieren. Es gibt auch harte Fakten, weshalb Sprachkompetenz ein absolut ernsthaftes Thema ist.

Mag die mangelnde Kompetenz in deutscher Sprache nun aber in Blogs und Foren noch nur peinlich sein, so wird sie andernorts vernichtend. Wenn es um den Beruf geht. Flapsige Formulieren, keine Beherrschung der Groß- und Kleinschreibung, Rechtschreibfehler en masse, so sehen auch Bewerbungsschreiben aus. Was Wunder, daß Arbeitgeber die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, gehe es um Arbeits- oder Ausbildungsplätze, die bei ihnen zu besetzen sind.

Die Sprache (und die Schrift) zu beherrschen wird in einer modernen Informationsgesellschaft immer wichtiger. Grammatik und Wortschatz, Hörverstehen und Leseverstehen, lesen und schreiben, das sind Elementartechniken auch des beruflichen Erfolges.

Jeder zweite Schulabgänger in Deutschland gilt als „nicht bildungsreif” steht in einem Entwurf des Berufsbildungsberichts der Bundesregierung. Ein vernichtendes Urteil. Auch für die Zukunft des vielbeschworenen „Standortes Deutschland“.

Sprachkompetenz bereits im Kindergarten vermitteln

Die Wichtigkeit der Sprache bereits im Vorschulalter fördern ist ein Projekt des Evangelischen Kindergartens der Apostelkirche in Neuburg an der Donau (Bayern).  Und dafür wurde dieser Kindergarten jüngst ausgezeichnet, von der Bayerischen Staatsregierung und vom Evangelischen Landesverband.

Eckpfeiler des Projektes sind, die Grundkenntnisse der Sprache zu vermitteln, Sprachstörungen zu beheben, den Wortschatz zu erweitern und die Eltern der Kinder miteinzubeziehen. Das Projekt kostet etwa 5000 Euro. 90 Prozent davon übernimmt die Staatsregierung, den Rest finanziert der Träger des Kindergartens, der Evangelische Landesverband.

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