Der Weg ist nicht immer das Ziel …

Berufsbild Garten-Paparazzo. Klingt interessant. Ist auch interessant. Jedenfalls, wenn man den Garten erst mal erreicht hat. Unser Garten liegt bekanntermaßen in der Pfalz. Wir aber wohnen in Nürnberg.

Foto oben: Franz Roth, „Auf einen Blick“, Bauer Verlag

Reflektionen über eine deutsche Verkehrsader …

Und dazwischen liegen (nahezu Woche für Woche) rund 350 Kilometer einfache Strecke. Und die Autobahn A6. Seit 1982 kenne ich diese Fernstraße. Und damals, vor fast dreißig Jahren, da war sie zwischen dem Kreuz Weinsberg bis in den Großraum Nürnberg geradezu beschaulich zu nennen. Das hat sich aber mittlerweile mehr als grundlegend geändert.

Unterwegs auf Deutschlands Autobahn mit dem höchsten LKW-Aufkommen

So grundlegend hat sich das geändert, daß wir diese Autobahn meiden wo immer es geht. Denn die Bundesautobahn A 6 ist die deutsche Autobahn mit dem höchsten Aufkommen an LKW. 195% (in Worten: hundertfünfundneunzig Prozent!) betrug die Zunahme seit Ende der Neunziger Jahre.

Es ist auf der in weiten Teilen nur zweispurigen Autobahn mehr als stressig und gefährlich. Unvermittelt und in des Wortes wahrster Bedeutung rücksichtslos zum „Jumbo-Rennen“ ausscherende Brummis einerseits, hemmungslos jagende und rasende PKW auf der Überholspur andererseits. Denn Deutschland ist das einzige Land der Welt („Freie Fahrt für freie Bürger!“), in dem Otto Normalverbraucher noch ungebremst und ungestraft mit Höchstgeschwindigkeit auf öffentlichen Straßen Autorennen fahren darf. Egal, ob’s stürmt oder schneit, ob es in Strömen regnet oder Nebel die Sicht trübt. Schwere und schwerste Unfälle – und nahezu immer und immer wieder unter Beteiligung von LKW – sind so geradezu vorprogrammiert.

 

Wohlgemerkt: wir fahren gerne Auto. Wer ein Cabrio fährt, ist bestimmt davor gefeit als Autofeind zu gelten.

Auf einem Rastplatz an der A6

Nur haben wir herzlich wenig Lust auf permanenten Adrenalinausstoß. Und wie soll der zu vermeiden sein, wenn man schon Kilometer vorher die Lücke suchen muß, sich zwischen den Lastern einzufädeln, reinzumogeln und reinzubremsen, um die Ausfahrt nicht zu verpassen? Und dann gar noch von dem wütenden Brummi-Lenker angehupt und angeblinkt zu werden, dem man damit gerade seinen ohnehin nicht vorhandenen Sicherheitsabstand zum Vordermann so brutalst verringert hat. Ihn vielleicht gar zum Bremsen gezwungen hat?

Und so hat es sich bei uns eingebürgert, jeweils auf Hin- und Rückfahrt nur ein Stück diese Autobahn zu benutzen und ansonsten über Land zu fahren. Von Nürnberg über Ansbach, Feuchtwangen, Crailsheim, Schwäbisch Hall, Öhringen und Heilbronn bis Sinsheim. Durch abwechslungsreiche Landschaften, vorbei an interessanten Städten und mit moderatem Verkehr. Meist jedenfalls.

Denn – und das läßt sich nicht umgehen – auf der letzten Etappe unserer Fahrten in die Pfalz kriegen wir es nochmals in geballter Form mit LKW zu tun. Auf der Bundesstraße 10 im Pfälzerwald. Gerne und en masse benutzt von Mautflüchtlingen. Und deswegen an Werktagen der gleiche Horror wie die BAB A 6.

Was läuft falsch in der Verkehrspolitik in Deutschland?

Es muß hier einfach was falsch laufen. Wie anders könnte es sein, daß wir geradezu ein sehnsuchtsvolles Verlangen verspüren nach französischen Autobahnen und Nationalstraßen? Daß man weniger Horror hat vor der Südumfahrung von Paris oder der Durchquerung von Lyon, der Umfahrung von Rennes, Strasbourg  oder Orleans denn vor der A6 oder der B10?

Es ist eigentlich ganz simpel: Wie in Frankreich müssen Autobahnen Geld kosten. Für jeden. Und wie in jedem anderen Land der Welt muß es auch auf deutschen Autobahnen endlich anstatt der Richtgeschwindigkeit (nach der sich kaum jemand richtet) ein generelles Tempolimit geben. Und es bedarf, so wie im Nachbarland die Gendarmerie Nationale allgegenwärtig präsent ist, auch hierzulande rigoroser Kontrollen. Seien es Geschwindigkeitskontrollen oder die Kontrolle der Ladungssicherheit. Und, wie in Frankreich, bedarf es deutlich empfindlicherer Bußgelder für Verkehrsvergehen. So daß niemand mehr denken kann, Rowdytum im Straßenverkehr sei ein Kavaliersdelikt.

Und die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung müssen auch mal den Mut (und Verstand) aufbringen, den Transitverkehr von Schwerlasttransportern von bestimmten Straßen und aus bestimmten Regionen zu verbannen. Und Verstöße ebenso rigoros zu kontrollieren und zu ahnden. Und sich nicht von dem ewig sofort zeternd losbrechenden Geschrei ins Bockshorn jagen lassen, hier ginge es um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und um Arbeitsplätze. Denn der Verkehrsinfarkt ruiniert Regionen, die Natur, den Tourismus, eine regionale Wirtschaft, er bringt den Regionen keinen Wohlstand. Im Gegenteil, er verursacht Kosten und schwere wirtschaftliche Schäden. Schon in den frühen Achtzigern (!) gab es zu den gefährlichen „rollenden Zeitbomben“ eine beeindruckende Reportage in GEO. Immer wieder z.B. im SWR sehen wir Sendungen über die gefährliche A 6. Die Zeit zum Handeln ist längst überfällig.

Mein persönliches Verkehrskonzept – eine Utopie?

Es mag wirklich utopisch klingen, doch es wäre nach meiner ganz bescheidenen Meinung ein Weg. Und keineswegs ein neuer Gedanke. Generationen von Politikern, nicht nur der Grünen, reden bereits davon. Aber sie reden nur davon. Weg mit den Transporten von Waren und Gütern von der Straße auf Schiene und Schiff. Verrückt, um nicht zu sagen pervers, wenn selbst die Deutsche Bahn verstärkt LKW einsetzt, weil sie auch Strecken für den Güterverkehr stillegt! Auch muß nicht Schlachtvieh durch halb Europa gekarrt werden. Oder Halbfertigprodukte von A nach B und als Fertigprodukte nach C und D zum „Packaging“ für den Versand nach E. Denn merke: Wirtschaft hat dem Wohl des Menschen zu dienen und ist nicht primär Selbstzweck zur „Profitmaximierung“.  Denn, vielleicht haben es einige Neo-Liberale ja schon vergessen, wir haben eine soziale Marktwirtschaft. Und die hat allen zu dienen. Und allen zu nutzen. Und dazu gehört auch, angstfrei eine Autobahn benutzen zu können.

Dann wäre auf einmal auch der Weg wieder das Ziel (auch auf der A6 und der B10).

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4 Antworten to “Der Weg ist nicht immer das Ziel …”

  1. Franz Roth Says:

    Mein neuester Film über die A6:

  2. Franz Roth Says:

  3. Franz Roth Says:

  4. Franz Roth Says:

    Ganz aktuell aus dem Polizeibericht (Quelle: NZ-Online):

    Riesiger Sachschaden – Lkw brannte völlig aus

    Ansbach – Hoher Sachschaden von über einer halben Million Euro entstand beim Brand eines Sattelzuges am frühen Freitagmorgen, 23. Juli 2010, auf der Bundesautobahn A 6 zwischen den Ausfahrten Ansbach und Lichtenau.

    Kurz vor 3.30 Uhr befand sich der 34-jährige Kraftfahrer mit seinem polnischen Sattelzug auf dem Weg von Baden-Württemberg nach Nürnberg. Während der Fahrt bemerkte der Fahrer plötzlich offenes Feuer aus dem Motorraum und brachte den Sattelzug auf dem Standstreifen zum Stehen. Er konnte sich unverletzt ins Freie retten, noch bevor das gesamte Führerhaus in Flammen stand.

    Bis zum Eintreffen der Feuerwehr Ansbach hatte der Brand bereits auf den Sattelauflieger übergegriffen. Die Ladung, Photovoltaikmodule im Gesamtwert von etwa 500.000 Euro, wurden dadurch zerstört. Am Lkw entstand ein geschätzter Sachschaden von etwa 100.000 Euro.

    Die Paletten mit den Modulen mussten vom ausgebrannten Fahrzeug entladen und zum Teil einzeln von der Feuerwehr abgelöscht werden, bevor sie in einen weiteren Lkw umgeladen werden konnten.

    Während dieser Zeit musste die Autobahn in Fahrtrichtung Nürnberg voll gesperrt werden. Der Verkehr wurde an der Autobahnausfahrt Ansbach über die Bundesstrasse 13 und die Ostumgehung Ansbach nach Lichtenau umgeleitet.

    23.7.2010 10:46 MEZ

    —————————-

    Eine Reporter-Kollegin des Bayerischen Rundfunks (BR 1, Radio) wollte berichten. Sie steckte nach über zwei Stunden noch immer im völlig überlasteten Ansbach fest!

    —————————-

    Am Mittwoch waren wir auch wieder auf der A6 nach Nürnberg unterwegs gewesen. Es ist in der Tat so: mehr LKW gibt es auf keiner anderen Autobahn. Eine Woche zuvor waren wir auf der A1 von Osnabrück Richtung Bremen/Hamburg gewesen, eine Strecke, die mir in den späten Neunzigern wie die Hölle vorgekommen war.

    Doch hier gibt es mittlerweile ein LKW-Überholverbot, scharfe Kontrollen und außerdem ist die Strecke mittlerweile dreispurig.

    Anders die A6. Hier dauert der Ausbau. Und es ist wirklich eine LKW-Karawane, einer hinter dem andern, kaum Abstand, eine Karawane, die hunderte von Kilometern lang ist.

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